Gegnergespräch VfL Osnabrück

Gegnergespräch VfL Osnabrück

Am Samstag reist der BTSV zum Nachholspiel nach Osnabrück und kann dort den nächsten großen Schritt in Richtung Aufstieg machen. Vor dem Spiel habe ich mich mit Marcel unterhalten, der auf Twitter unter @MarcelLandwehr unterwegs ist.

Seit wann bist du Fan deines Vereins und wie bist du Fan geworden?

Das erste Mal an der Bremer Brücke war ich im November 2006 in der Regionalliga gegen Mönchengladbach II, als mein Papa mich und einen Freund mitgenommen hat. Im Verein in einem Osnabrücker Vorort, in dem ich spiele, habe ich dann mal in der F-Jugend einen lila-weißen Schal von meinem Trainer für exzellente Trainingsbeteiligung geschenkt bekommen und damit natürlich auch einen Anlass, öfters ins Stadion zu gehen und den VfL anzufeuern. Der Schal ist heute noch meistens dabei.

Wo findet man dich bei Spielen deines Vereins meistens?

Wenn ich im Stadion bin, dann stehe ich in der Ostkurve. Während der letzten zwei Jahre gab es ja leider nicht so oft die Möglichkeit, an der Bremer Brücke zu sein – dann habe ich natürlich so viele Spiele wie möglich vor dem Fernseher verfolgt.

Wie viele Auf- und Abstiege hast du miterlebt?

Rein faktisch habe ich fünf Aufstiege miterlebt, erinnern kann ich mich aber an die früheren nicht. In den letzten 22 Jahren ist Osnabrück dreimal von der Regionalliga in die 2. Bundesliga aufgestiegen und zweimal dann noch von der neu formierten 3. Liga ins Unterhaus. Entsprechend gab es dann natürlich auch einige Abstiege: Fünf Mal ging es auch wieder eine Klasse nach unten. Osnabrück ist halt eine Fahrstuhlmannschaft.

Was war bisher dein emotionalster Moment?

Am besten ist noch die Erinnerung an den Aufstieg 2019 unter Daniel Thioune. Eine bessere VfL-Mannschaft habe ich noch nie erlebt. Es war sehr geil, nach so vielen Jahren in der 3. Liga endlich wieder Osnabrück in der 2. Bundesliga zu sehen – da liegt ja auch irgendwo der Anspruch, den der Verein hat. Das letzte Spiel gegen Aalen bei bestem Wetter war der Höhepunkt dieser tollen Saison. Emotional im negativen Sinne wurde es immer bei den Relegationsspielen, wo Osnabrück bisher immer den Kürzeren zog.

Was muss man in Osnabrück gesehen haben?

Wenn man nicht gerade in der Innenstadt ist, ist der Zoo im Süden, der Piesberg im Norden oder der Rubbenbruchsee im Westen einen Besuch wert. In Zentrumsnähe ist der Schlossgarten im Sommer ein sehr beliebter Ort und natürlich die Altstadt rund um den Dom und das Rathaus. Hier gibt es viele kleine Cafés und Kneipen.

Hast du einen Lieblingsort in Osnabrück?

Abgesehen von der Bremer Brücke ist es die Innenstadt, besonders wenn die Maiwoche oder der Weihnachtsmarkt stattfinden. Dann sind super viele Leute unterwegs und eine besondere Stimmung ist spürbar.

Die Bremer Brücke, Eingang Gästeblock

Wie bewertest du eure bisherige Saison, was läuft momentan gut bei euch, was bereitet Sorgen?

Bislang bin ich mit der Saison ziemlich zufrieden. Nach einem Abstieg ist es immer ungewiss, wie dieser abgefangen wird. Das Trainerteam, die Mannschaft und einige Posten in der sportlichen und geschäftlichen Führung haben sich verändert. Eine richtig tiefgreifende Schwächephase, die in den letzten Jahren immer dazugehörte, gab es in dieser Saison bisher nicht. Daher gehört Osnabrück immer noch oben dabei.

Was aktuell gut läuft ist, dass Osnabrück in diesem Jahr lange unbesiegt war also mit einer gewissen Konstanz aus der Winterpause gekommen ist. Die Neuzugänge, die ja vor allem aus den Regionalligen kamen, haben sich gut eingefunden. Zusammen mit denen, die nach dem Abstieg geblieben sind, ist das insgesamt eine recht ausgewogene Truppe, die viel Spaß macht, finde ich. 

Ausbaufähig ist besonders zuletzt jedoch vorne die Chancenverwertung gewesen und zudem hinten die Absicherung. Damit geht dann auch einher, dass die Spiele gegen Türkgücü und Köln nur Remis endeten, obwohl Osnabrück klar favorisiert war und es auch der Anspruch sein muss, solche Duelle zu gewinnen. Auch das wichtige Spiel gegen Kaiserslautern hat man vorne fahrlässig aus der Hand gegeben. Das muss jetzt, wo es in die Schlussphase geht, die über die Endplatzierung entscheiden werden, noch mal etwas besser werden.  

Was sind die Ziele und Erwartungen für den Rest der Saison?

Das Ziel sollte es meiner Meinung nach sein, mindestens den vierten Platz zu sichern, um in der nächsten Saison im DFB-Pokal mitspielen zu können. Ich glaube, dass es eine verdammt enge Schlussphase für drei, vier Mannschaften wird, die sich um die Ränge hinter Magdeburg streiten werden. Zu diesen Vereinen muss Osnabrück dazugehören. Der Wiederaufstieg ist immer noch drin und wäre natürlich das optimale Ergebnis. Dazu muss aber jetzt auf jeden Fall Braunschweig aus dem Weg geräumt werden.

Hast du bereits Spiele gegen unsere Eintracht miterlebt, wenn ja, was sind deine Erinnerungen?

Ich habe mir mal die Liste der Duelle angeschaut. So viele Spiele gegen Braunschweig gab es, seitdem ich mich daran erinnern kann, noch nicht allzu viele. 2019 – in der VfL-Aufstiegssaison – war ich beim 1:0 an der Bremer Brücke. Osnabrück und Braunschweig standen an den verschiedenen Enden der Tabelle. Vor dem Spiel gab es eine coole Choreo der Ostkurve und auf dem Platz hat Benjamin Girth dann das Tor gemacht, weil er mit seiner Rübe einen Schuss leicht abfälscht. Im Kopf habe ich auch noch das 3:4 von 2018 gegen die Eintracht. Das war der erste VfL-Auswärtssieg in Braunschweig seit sehr, sehr, sehr vielen Jahren.

Was verbindest du mit Eintracht Braunschweig?

Bei Eintracht Braunschweig denke ich zuerst an so Dinge wie, dass sie Gründungsmitglied der Bundesliga 1963 waren und ich habe auch Paul Breitner mit dem Jägermeister-Trikot im Kopf.

Unser Auswärtsspiel 2019 in Osnabrück

Das ursprüngliche Spiel wurde sturmbedingt kurzfristig verlegt, wie und wann hast du damals davon erfahren? Ich war kurz vor der Abfahrt Richtung Osnabrück.

Ich wollte an dem Tag vormittags zu meinen Eltern fahren und dann das Spiel mit meinem Papa im Fernsehen gucken. Davon erfahren, dass das Spiel ausfällt, habe ich dann kurz nachdem ich rausgefunden hatte, dass aufgrund der Nachwirkungen des Sturms auch meine Züge in die Heimat nicht fuhren. Also waren damit irgendwie alle Pläne zunichte gemacht.

Mit Bryan Henning, Luc Ihorst, Maurice Multhaup, Sebastian Müller und Benjamin Girth gibt es einige Löwen, die vor kurzer Zeit noch in Osnabrück gespielt haben. Zudem kommt Niko Kijewski als gebürtiger Osnabrücker aus eurer Jugendarbeit. Verbindest du noch etwas mit diesen Spielern und wie hast du diese etwas kuriosen Verpflichtungen im Sommer wahrgenommen?

Insgeheim wurde und wird Braunschweig von einigen Fans schon abschätzig als die zweite Mannschaft des VfL bezeichnet, weil so viele Spieler den relativ kurzen Weg zum BTSV genommen haben. Bei manchen von ihnen sind die Leihen ausgelaufen und bei ihrem Stammverein hatten sie wenig Chancen und auch in der 2. Bundesliga konnte keiner von ihnen einen neuen Platz finden. Ich glaube, dass Braunschweig für sie von Osnabrück aus gesehen eine naheliegende Option war.

Ihorst war bei uns mehr verletzt als dass er spielte und von Multhaup und Müller haben mich auch nicht wirklich überzeugt. Henning war eine ordentliche Verpflichtung und Girth war für mich etwas ein Chancentod – erst recht, als er in Stuttgart einmal aus zehn Metern das leere Tor nicht traf.

Kijewksi kommt zwar aus der VfL-Jugend, hat allerdings nie für die Profis gespielt und ich habe keine Verbindung zu ihm.

Was erwartest du vom Spiel?

Am Wochenende als es ausfiel, war die Paarung das Spitzenspiel und natürlich wünsche ich mir, dass der Nachholtermin dieses Versprechen halten kann. Für Osnabrück ist es ein Spiel nach dem Motto „Do or Die“. Ich hoffe, dass das Stadion so voll wie möglich wird und dass die Brücke wieder bebt. Auf dem Platz denke ich, dass es eng zugehen wird und dass beide Seiten dreckig an die Sache rangehen müssen. Gelbe Karten wird es bestimmt einige geben.

Was sollte man im Stadion essen?

Wie in so vielen Stadien kann man in Osna mit Bier und Bratwurst absolut nichts falschmachen.

Der lilafarbene Auswärtsblock

Was ist dein Tipp?

Ich gehe mit einem 2:1 für den VfL. Simakala und Klaas treffen für Lila-Weiß.

Möchtest du noch etwas loswerden?

Ich könnte hier noch ausführlich über die Rolle des Fußballs in den letzten zwei Jahren sprechen. Trotz aller Widrigkeiten war er irgendwie eine Konstante, die für viele wichtig war, weil sie etwas Struktur gegeben hat. Auch wenn man eine lange Zeit nur vor dem Fernseher sitzen konnte, war es dennoch schön, auf diese Weise etwas Ablenkung und Unterhaltung zu haben. Natürlich kann und muss man über Themen wie die Bevorzugung gegenüber anderen Sportarten sprechen und über die Auswüchse, die in den europäischen Top-Ligen und Vereinen entstanden sind. Es ist schön, im Kontrast zur Super League, überdominanten Rekordmeistern und Max-Kruse-NFTs oder Hoffenheim-Kryptos auch noch etwas zu haben, was noch näher an den Fans und nicht so sehr durchkommerzialisiert ist. Das muss bewahrt werden.

Ich freue mich jetzt schon auf die Schlussphase dieser Saison in der 3.Liga, weil ich denke, dass sie im Aufstiegskampf unfassbar spannend sein wird. Wie gesagt, mehrere Teams kämpfen um die Plätze hinter Magdeburg. Ich denke auch, dass dann im April und Mai die Stadien wieder ganz voll sein werden und hoffe, dass es sich dann wieder wie „früher“ anfühlen kann.

Beim letzten Spiel in Osnabrück mit Fans gab es farbenfrohe Unterstützung (BS1895)

Danke für deine Zeit, Marcel!

Bis Dahin

Euer Kivi

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: