Gegnergespräch SV Wehen Wiesbaden

Gegnergespräch SV Wehen Wiesbaden

Am Samstag reisen die Löwen nach Hessen, wo der SV Wehen Wiesbaden bezwungen werden soll. Vor der Partie habe ich mich mit Gunnar gesprochen, der auf Twitter unter @stehblog zu finden ist und schon in einige interessante Projekte über seinen Herzensverein involviert war.

Seit wann bist du Fan deines Vereins und wie bist du Fan geworden?

Seit der Saison 2007/08, als plötzlich ein Zweitligist vor meiner Haustür spielte. Ich war vorher zu Regionalligazeiten ein paarmal in Wehen auf dem Halberg, aber eher als interessierter Beobachter, noch nicht als Fan. Nach dem Aufstieg und dem Umzug nach Wiesbaden ging ich dann regelmäßig ins neue Stadion und hatte ab der Rückrunde meine erste Dauerkarte.

Wo findet man dich bei Spielen deines Vereins meistens?

Bei Heimspielen in N6, relativ zentral hinter dem Tor. Wenn ich auswärts fahre – was zwar einigermaßen regelmäßig, aber bei weitem nicht zu allen Auswärtsspielen vorkommt – natürlich im Gästeblock.

Der Gästeeingang in Wiesbaden (bs1895)

Wie viele Auf- und Abstiege hast du miterlebt?

Einen Aufstieg in die 2. Bundesliga und zwei Abstiege in die 3. Liga, dazu wäre es einmal fast bis in die Regionalliga runtergegangen (s. nächste Frage). Dazwischen viele Saisons im grauen Mittelmaß.

Was war bisher dein emotionalster Moment?

Der knapp vermiedene Abstieg 2016, als uns unsere Vereinslegende Alf Mintzel mit einem Tor in der letzten Minute der Nachspielzeit im letzten Saisonspiel rettete. Ich bekomme heute noch jedes Mal Gänsehaut und feuchte Augen, wenn ich daran denke. Ganz dicht dahinter folgt der Schlusspfiff beim Relegationsrückspiel in Ingolstadt 2019, wodurch der SVWW nach zehn Jahren die 3. Liga endlich nach oben verlassen durfte.

Meine Sicht bei meinem letzten Besuch in der brita-Arena

Du schreibst seit 2008 einen Blog (stehblog.de) und betreibst seit 2016 einen Podcast (Niemals erste Liga). Erstmal Respekt für die vielen aktiven Jahre! Wie bist du dazu gekommen und warum bist du am Ball geblieben?

Vor dem Blog hatte ich ab und zu eine Gruppe von Freunden per Mail informiert, was beim SVWW gerade los ist, um ein paar zum gemeinsamen Stadionbesuch zu animieren. Da lag es dann nahe, dass statt in Mails einfach in einen Blog zu packen. Natürlich gab es dann auch aktivere Phasen und zwischendurch mal länger Funkstille, aber irgendwann habe ich mir dieses feste Schema für die Spielberichte in einem anderen Blog abgeschaut und das half dann durchzuhalten, auch wenn ich mal weniger Lust hatte. Vor ein paar Jahren kam dann die wöchentliche Wehenschau dazu, die eine kleine Gegnervorschau mit Links zu aktuellen Themen mit SVWW-Bezug kombiniert.

Den Podcast habe ich gemeinsam mit Sonja gestartet, später kamen dann Micha und zuletzt Devin dazu. 2016 waren Podcasts schon populär, aber noch nicht ganz so alltäglich wie heute. Ich wollte dieses neue Medium auch mal ausprobieren und rang Sonja das Versprechen ab, dass wir das zusammen versuchen, wenn der SVWW die Klasse hält. Alf Mintzel ist also schuld, dass wir die Welt mit einem weiteren Fußballpodcast beglückt haben. 😉
Nachdem wir die Zweitligasaison 2018/19 ziemlich intensiv im Podcast begleitet hatten, war nach dem Abstieg ein bisschen die Luft raus und momentan fehlt es auch etwas an Zeit, sodass wir aktuell leider nur sehr unregelmäßig aufnehmen. 

Was war bisher dein liebstes Projekt?

Am meisten Spaß machen eigentlich immer die Interviews. Früher gab es das einigermaßen regelmäßig in schriftlicher Form im Blog, später hat sich das in den Podcast verlagert. Da hatten wir auch diverse Akteure aus dem Verein vor dem Mikrofon, z. B. Trainer Rüdiger Rehm relativ kurz nach Dienstantritt, den damaligen Geschäftsführer Dr. Pröckl zum Thema Tribünenneubau und auch mehrere Spieler wie Benedikt Röcker oder Sascha Mockenhaupt. Während des Corona-bedingten Zuschauerausschlusses haben wir ein paarmal Spiele live zum TV-Bild kommentiert und ich hätte sehr gerne auch mal richtig Fanradio aus dem Stadion gemacht, aber das ließ sich leider noch nicht realisieren.

Darüber hinaus habe ich gesehen, dass du für die bekannte Buchreihe 111 Gründe XY zu lieben an der Ausgabe zum SV Wehen Wiesbaden mitgewirkt hast! Wie ist es dazu gekommen?

Der Herausgeber hat mich irgendwann mal kontaktiert und ich hatte das sogar ein bisschen erwartet, denn ich hatte mitbekommen, dass die Reihe nach und nach auch auf Dritt- und Viertligisten ausgedehnt wurde. Unter den Autoren waren einige Vereinsblogger und da der Stehblog der einzige aktive Blog zum SV Wehen Wiesbaden ist, war es dann nicht wahnsinnig überraschend, dass ich angefragt wurde. Obwohl ich großen Respekt vor der Aufgabe hatte und mir völlig klar war, dass das viel Arbeit für wenig Lohn werden würde, hat der Reiz, das erste Buch über den SVWW zu verfassen, mich dann doch zusagen lassen. Nachdem es mit dem Schreiben eine ganz Zeitlang aber nicht richtig voranging, habe ich mit Matze Schlenger den perfekten Co-Autoren gefunden und wir konnten uns das gut aufteilen und uns gegenseitig helfen. Letztlich war der Verzug gegenüber dem ursprünglich angepeilten Termin aber gar nicht schlimm, denn so hatten wir am Ende die Aufstiegssaison mit drin.

Der Auswärtsblock beim 3:3 Remis 2018/19 (bs1895)

Welchen Grund sollte man als Nicht-Wiesbadener unbedingt kennen?

Da gibt es natürlich einige, aber viele Fans anderer Vereine scheinen immer noch zu glauben, dass es sich beim SV Wehen Wiesbaden um ein Fusionsprodukt aus dem SV Wehen und dem SV Wiesbaden handelt. Das Gegenteil ist der Fall, tatsächlich ist der SV Wehen in seiner fast 100-jährigen Geschichte niemals mit einem anderen Verein fusioniert (vom erzwungenen, zwischenzeitlichen Anschluss an den örtlichen Turnverein in den 1930er Jahren abgesehen) – eine Tatsache, die erstaunlich wenig heutige Proficlubs von sich behaupten können.

Der SVWW ist in den letzten Jahren dafür bekannt geworden, dass auffällig oft Trainer der gegnerischen Vereine nach Spielen gegen euch entlassen wurden. Kurioser Zufall oder steckt da doch ein Grund dahinter?

Schön, dass Dir das auch aufgefallen ist. Ich dachte schon, das sei nur unsere verzerrte Eigenwahrnehmung. Man könnte jetzt auf die Idee kommen, dass Trainer, deren Stuhl wackelt, durch eine Niederlage gegen den SVWW endgültig untragbar werden – was schon ein zweifelhaftes Licht auf den Verein werfen würde. Da die meisten Verantwortlichen anderer Vereine aber eher mit einem gewissen Respekt über den SVWW sprechen und diesen wohl eher nicht als Kanonenfutter einschätzen, das es unbedingt zu schlagen gilt, ganz gleich in welcher Verfassung die eigene Mannschaft gerade ist, scheidet diese Theorie wohl aus. Es muss wohl doch eher Zufall sein oder vielleicht auch ein kleiner Nebeneffekt des Spielplans.

Was muss man in Wiesbaden gesehen haben?

Wenn Du damit touristische Sehenswürdigkeiten meinst, dann wohl am ehesten die Nerobergbahn. Mit dieser mit Wasserkraft betriebenen Bahn kommt man auf den Neroberg, von wo aus man einen tollen Blick über die ganze Stadt hat. Leider müsst Ihr Euch das für eine andere Gelegenheit aufheben, denn die Bahn fährt erst ab 15. April wieder.

Hast du einen Lieblingsort in Wiesbaden?

Den einen Lieblingsort eigentlich nicht, aber ich erfreue mich beim Gang durch die Innenstadt immer wieder an den vielen fantastischen Fassaden aus der Zeit des Historismus.

Mein Lieblingsort in Wiesbaden: Pfitznerstraße kreuzt Eintrachtstraße

Wie bewertest du eure bisherige Saison, was läuft momentan gut bei euch, was bereitet Sorgen?

Tja, es ist mal wieder eine Saison, in der es der Mannschaft einfach an Konstanz mangelt. Konstanz in den Leistungen und dementsprechend auch in den Ergebnissen. Eigentlich war das Ziel der Aufstieg, aber nachdem man in der Hinrunde schon wieder den Anschluss an die vorderen Plätze zu verlieren drohte, entschied die sportliche Leitung, sich nach viereinhalb Jahren von Trainer Rüdiger Rehm zu trennen. Blöderweise ist der Abstand auch unter dem neuen Coach Markus Kauczinski nicht kleiner geworden und mit dem Aufstieg hat man nichts mehr zu tun. Man kann aber feststellen, dass die Mannschaft weniger Gegentore fängt – jedoch auch weniger selbst erzielt.

Was sind deine Ziele und Erwartungen für den Rest der Saison?

Es gibt noch eine Mini-Hoffnung auf Platz 4, der zur DFB-Pokal-Teilnahme berechtigen würde. Blöderweise ist man nämlich auch schon aus dem Hessenpokal ausgeschieden, sodass dieser Weg – und ein Highlight zum Saisonabschluss – keine Option mehr sind. Ich fürchte aber, dass die letzten Partien nur noch Spiele um die goldene Ananas werden, in denen sich entscheidet, ob man Sechster oder Neunter wird.

Hast du bereits Spiele gegen unsere Eintracht miterlebt, wenn ja, was sind deine Erinnerungen?

Die drei bisherigen Partien in der Brita-Arena gegen Braunschweig habe ich alle im Stadion erlebt, wobei mir eher die letzten beiden Auswärtsspiele in Erinnerung geblieben sind, die der SVWW jeweils gewonnen hat. Einmal in der Aufstiegssaison und dann in der Hinrunde dieser Saison im ersten Spiel nach der Trennung von Rehm, als wir mit den Co-Trainern als Interims-Duo einen völlig unerwarteten Auswärtssieg geholt haben.

Unabhängig vom SVWW habe ich 2004 im Grünwalder Stadion den Sieg der Bayern-Amateure gegen Braunschweig im DFB-Pokal gesehen. War leider lustig, sorry.

Das wollen wir am Samstag erneut sehen: Blau-Gelber Torjubel (bs1895)

Was verbindest du mit Eintracht Braunschweig?

In erster Linie die große Anhängerschaft, die auch nach Jahrzehnten in unteren Ligen Bundesliga-würdig ist.

Warst du schonmal in Braunschweig? Wenn ja, wie hat dir die Stadt gefallen?

Leider war ich noch nie in Braunschweig, aber irgendwann wird sich schon mal die Gelegenheit ergeben.

Mit Gianluca Korte habt ihr einen ehemaligen Löwen und Aufstiegshelden im Team. Wie bewertest du seine bisherige Leistung für euch und was erwartest du dir noch von ihm?

Letzte Saison war er Stammspieler und mit seinem Spielwitz ein Lichtblick in der Offensive. Vor der aktuellen Saison hat er sich leider verletzt und fiel lange aus. Eigentlich hatten wir ihn nach der Winterpause zurückerwartet, aber dann war er meistens nicht mal im Kader oder saß höchstens auf der Bank. Kürzlich wurde er endlich mal für ein paar Minuten eingewechselt. Ich hoffe, dass er nochmal richtig fit wird und in gute Form kommt, dann würde ich ihn auch nächste Saison gerne bei uns sehen. Ich fürchte aber, dass sein Vertrag nicht verlängert wird.

Blick in die brita-Arena (bs1895)

Was erwartest du vom Spiel?

Eine gut gefüllte Gästetribüne, aber wenig Tore.

Was sollte man im Stadion essen?

So groß ist die Auswahl nicht, im Wesentlichen gibt es ein paar verschiedene Sorten Bratwürste. Mein Favorit ist der Käseknacker.

Was ist dein Tipp?

0:0

Möchtest du noch etwas loswerden?

Ich wünsche Euch viel Spaß nächste Saison in der 2. Bundesliga und hoffe, dass wir in einem Jahr folgen. Dann komme ich auch zum Auswärtsspiel nach Braunschweig, versprochen.

Vielen Dank für deine Zeit, Gunnar!

Bis dahin

Euer Kivi

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