Li-La-Launebär

Nach einem ganzen Jahrzehnt mit dem gleichen Trainer zogen die Verantwortlichen zum zweiten Mal seit dem Abstieg die „Trainer wechsel dich“-Karte.

Henrik Pedersen musste nach elf absolut nicht überzeugenden Ligaspielen gehen, im Gepäck noch das Ausscheiden im Landespokal (somit kein DFB-Pokal in Braunschweig 2019/20). Der menschlich feine Coach schaffte es nie über wenige halbwegs gute Ansätze hinaus und hinterließ eine absolut verunsicherte Mannschaft. Platz 20, ein Sieg aus elf Spielen und kein einziger wirklich funktionierender Mannschaftsbereich. Viel Arbeit also für den neuen Coach.

Dieser bringt mit André Schubert einiges an Erfahrung mit. Bei der Borussia aus Mönchengladbach, dem „Kultclub“ aus Hamburg und dem SC Padeborn hat er gezeigt, dass er ein guter Trainer sein kann. Nach der ersten Pressekonferenz regte sich zaghafter Optimismus im blau-gelben Fanlager. Zur ersten Trainingseinheit kamen über 300 Fans und auch die darauffolgenden Einheiten waren gut besucht.

Also wurde dem nächsten Spiel entgegen gefiebert. Rund 1.200 Fans sollten der Mannschaft ins Löwenduell gegen 1860 hinterher reisen. Mehr oder weniger optimistisch aber vor allem gespannt. Was dann kam war, kurz gefasst, ernüchternd.

Gegen die zuvor fünf Spiele sieglosen Münchener erspielte sich die etwas umformierten Einträchtler zwei „Chancen“. Zwar wirkte der Spielaufbau bis ins letzte Drittel ebenso verbessert wie die Defensivarbeit, alles in allem aber doch noch ein Stück weit entfernt von  drittligatauglich und eine verdiente Niederlage. Trotzdem wurde die Mannschaft mit Applaus verabschiedet. Die Sprechchöre gingen leider in den ohrenbetäubend lauten Lautsprechern in der Gästekurve unter. Das war unerträglich und je nach Standpunkt im Block sogar schmerzhaft.

Kurz darauf kam Yari Otto (19 Jahre jung und die erste Profi-Saison) zurück an den Block und führte lange Gespräche. Top Typ!Otto1

Das Grünwalder ist für mich trotzdem eines der schönsten Stadien die ich bisher besuchen durfte. Und der Leberkäse ist noch besser!

grünwald

Was ich sonst so auf der Auswärtsfahrt erlebt habe findet ihr hier.

Wie ich mir meine Eintracht gegen den VfL Osnabrück und in Zukunft wünsche:

Ich fand Sauerland zentral echt gut, er brachte etwas Beweglichkeit und Dynamik rein, zudem war er eigentlich an jeder halbwegs gefährlichen Szene beteiligt. In den Dortmunder Nachwuchsteams hat er da ja auch schon gespielt. Kijewski und Becker würde ich dann gerne auf der defensiven Außenbahn sehen, einfach da die beiden physisch und in der Luft am Stärksten wirken. Amundsen ist zwar etwas schneller, wirkte aber häufig überfordert gegen 1860, ebenso Kijewski, aber vielleicht klappt es ja auf links besser. Becker ist dann allerdings auch alternativlos. Man könnte auch mal Meik Erdmann zumindest mittrainieren lassen, vielleicht passt das ja. Er ist als Rechtsverteidiger einer der Hauptgründe für den Aufschwung der U23.

Die Torhüterposition muss meiner Meinung nach erst mal nicht mehr diskutiert werden, auch wenn Kruse bei zwei Rückpässen gefährliche Fehler gemacht hat. Er strahlt deutlich mehr Ruhe aus als Engelhardt und das ist was auf lange Sicht die Defensivarbeit hoffentlich beruhigt.

In der Innenverteidigung würde ich eigentlich nichts ändern. Nkansah scheint langsam anzukommen, Tingager fehlt Spielpraxis, ich denke sobald die beiden etwas eingespielt sind, kann das ganz gut werden. Ob Valsvik irgendwann in eine ligataugliche Form kommt, muss man natürlich beobachten, dann führt kein Weg an ihm vorbei. Für mich persönlich ist die Kombi Tingager/Valsvik einfach zu unbeweglich und dadurch sehr anfällig für schnelle Gegenangriffe. Nkansah wirkt da schon etwas beweglicher. Ich hoffe, dass sich Schubert da bald festlegt, da ein Innenverteidiger-Duo möglichst eingespielt sein sollte.

Außerdem bitte wieder mit Doppel-6, Fürstner ist einfach zu langsam und zu unbeweglich, um alleine vor der Abwehr aufzuräumen. Das geht bei Kontern immer wieder in die Hose. Ich denke Sauerland kann da Abhilfe schaffen, auch wenn ich einen robusteren Spieler bevorzugen würde. Leider haben wir da momentan keine Alternative die auch im Aufbau behilflich sein könnte. Gegebenenfalls Thorsen der zuletzt auch viel Schatten bei wenig Licht in seinem Spiel hat. Ein Pfitze und ein Dominik Franke könnten den robusteren Part auf der Doppel-6 rein körperlich spielen, allerdings hat Franke noch nie höher als Regionalliga gespielt und Pfitze ist auch nicht mehr der jüngste und wirkt bei der U23 nicht unbedingt zu 100% drittligareif. Hochmotiviert wäre er aber in jedem Fall.

Darüber hinaus kann man bei passendem Spielstand auch mal Eric Veiga eine Chance geben, in der U23 (zugegeben nur Oberliga) hat er mir mit seinem frechen Spiel echt gut gefallen. Er geht gerne ins Risiko und sucht den Abschluss, auch mal aus der Distanz. Ackert mit viel Ehrgeiz (auch wenn er dabei manchmal etwas emotional wird) und setzt seinen Körper recht gut ein. Und er kann Standards!
Über die Außen gerne mal mit etwas Tempo, Otto hat zwar ein super Stellungsspiel aber ist für Außen einfach zu langsam. Hier würde ich mir eine Chance für Adetula wünschen. Total schnell und beidfüßig mit viel Zug zum Tor.

Wenn Janzer fit sein sollte, könnte er auch anstelle von Bulut spielen. Dieser hat momentan überhaupt kein Selbstvertrauen, da muss der Trainer entscheiden was ihm besser tut.
Otto könnte neben Hofmann der Abnehmer für die langen Bälle auf Hofmann sein, dann gäbe es endlich einen Anspielpartner in der Nähe. Das hat die paar Minuten gegen Jena ja ganz gut funktioniert.

Nyman wird wohl noch nicht fit genug sein für 90 Minuten, sonst führt natürlich kein Weg an ihm vorbei. Auf ihm liegt eine Menge blau-gelber Hoffnung. Nach der heutigen Pressekonferenz braucht er noch einiges an Zeit.

Ebenso wird wohl Leon Bürger ausfallen, ein technisch extrem starker 18(!)-Jähriger fürs zentrale Mittelfeld. Nach ein paar starken Debütminuten gegen Lotte hat er sich im Training einen leichten Muskelfaserriss in der Hüfte zugezogen.

Osnabrück ist ein sehr starker Gegner, besonders in der Defensive, und bereits seit mehreren Spielen ohne Gegentor. Somit absolut keine einfache Aufgabe, aber: Flutlichtspiel, Eintracht-Stadion. Wir haben schon einiges erlebt und sollten für ordentlich Stimmung sorgen. Vor allem für die Eintracht, unseren Verein.

Denn eines ist klar: der Klassenerhalt ist alternativlos, ohne wenn und aber. Wie sicher die Lizenz bei einem Abstieg ist, wie die Stadionnutzung dann aussieht, was die Sponsoren machen, alles ungewiss. Sicherlich würden noch ein paar tausend Fans kommen aber selbst ein paar Jahre dritte Liga sind anscheinend existenzbedrohend, daher sieht es bei einem weiteren Abstieg noch düsterer aus.

Einzig und allein Punkte helfen uns da raus. Kein schönes Spiel, keine tolle Leistung, hauptsache Punkte.

Einmal Löwe, immer Löwe! #immerblaugelb

Endlich

In der Nachspielzeit explodierte das Eintracht-Stadion wie seit langem nicht. Gerade hatte Yari Otto (#Ottorfabrik!) den Sieg gesichert! Ein SIEG! Der erste seit März. Die Last von sechs sieglosen Monaten, 13 Spielen ohne Sieg, fiel von etwa 17.000 Schulterpaaren. Auch wenn das Spiel bis zur 75. Minute wirklich schwach war und der Gegner, Carl Zeiss Jena, einige gute Chancen liegen lies, in diesem Moment war das scheißegal. Endlich wieder ein befreiender Jubel. Umarmen und abklatschen mit völlig Fremden und Freunden, mit der Eintracht-Familie.

Ein gerade einmal 19 Jahre altes Talent schießt uns mit einem Doppelpack zum Sieg und weiß dann gar nicht wohin mit den Emotionen. Ab in die Südkurve, die, zusammen mit allen Fans, trotz der bisher grausigen Saison alles gegeben hatte, wahnsinnige Stimmung! Abklatschen mit Benny dem Capo und eine wunderschöne Umarmung mit der Kurvenmutti Christel. Unbenannt

Nach dem Spiel widmete der Doppelpacker sein erstes Profitor seiner Familie und ganz besonders seiner früh verstorbenen Mutter. Und das mit einem Auftreten der besonderen Art im ersten größeren Interview: Unaufgeregt, ehrlich, einfach sympathisch.  Klar die bisher schwache Saison angesprochen und den Fokus auf die nächste Aufgabe gelegt. Sehr erfrischend im Vergleich zu den typischen Braunschweiger Einheitsbrei der vergangenen Wochen und Jahre.

Klar, die Schlussphase war stark und überzeugend. Das restliche Spiel allerdings überhaupt nicht. Immer noch viele Abstimmungsfehler, auch wenn die Defensive an sich schon etwas besser stand als bisher. Aber: Trotz der häufig ideenlosen Offensive der Thüringer kamen diese zu mehreren Chancen. Dies muss genauso analysiert und verbessert werden wie die vielen Ungenauigkeiten in der Offensive.

Auf die letzten Minuten lässt sich aber in jedem Fall aufbauen. Aus diesem zugegebenermaßen dreckigen Sieg sollte endlich das fehlende Selbstvertrauen gezogen werden. Gegen Würzburg muss nun nachgelegt werden.

Schlussendlich laufen die Eintrachtfans endlich wieder mit einem dicken Grinsen durch das Wochenende. #immerblaugelb

Torsten Lieberknecht

Viele werden es bereits mitbekommen haben: Nach dem erlösenden Auswärtssieg gegen Aue stand Torsten Lieberknecht mit feuchten Augen vor der Kamera und sprach von einem gewonnenen Endspiel. Zuvor war er minutenlang von den etwa 1000 mitgereisten Fans gefeiert worden. Beim Abschlusstraining waren über 500 Fans anwesend um der Mannschaft und insbesondere dem Trainer zu zeigen, dass sie da sind. Ich zähle mich zu den absoluten Lieberknecht-Unterstützern, dementsprechend emotional waren die letzten Tage.

Während Lieberknecht mit Tränen in den Augen alleine vor der Kurve stand, schrie ich mir mit den allermeisten der mitgereisten Fans die Seele aus dem Leib. Für ihn. Für unseren Trainer.  Als der Bus gegen neun Uhr am Abend am Eintracht-Stadion ankam, erwarteten etwa 250 Fans unseren Trainer. Nach nicht aufhören wollenden Sprechchören, vielen aufmunternden Worten, einer Menge Umarmungen und erneut mit Tränen in den Augen und tief bewegt verließ Lieberknecht nach etwa 20 Minuten die Fans in Richtung Katakomben.

Zu diesem Zeitpunkt hatte nicht nur er einen dreifachen Looping auf der Gefühlsachterbahn überstanden. Seit dem 12.05.2008 dabei erfährt er vor allem bei den allertreusten eine große Unterstützung. Der Mensch Lieberknecht ist in der gesamten Fanszene unglaublich beliebt. Wenn er in Frage gestellt wird, dann geht es nur ums Sportliche.

Es ist das erste Mal, dass sich Braunschweiger so stark zu Torsten bekennen. Nörgler hört man natürlich immer, aber am vergangenen Wochenende wurde eindrucksvoll bewiesen, dass auch eine Menge Fans Lieberknecht als Trainer behalten wollen.

Auf die Taktik und das Sportliche allgemein will ich auch gar nicht eingehen. Vielmehr möchte ich gerne an die vielen hochemotionalen und unvergesslichen Momente mit Lieberknecht erinnern.

 

31.05.2008 

Über dieses Datum und auch viele andere habe ich bereits in älteren Beiträgen berichtet. Lieberknecht ist allerdings mit allen Erinnerungen und Momente der letzten 10 Jahre untrennbar und für immer verbunden. Wie im Beitrag Über mich berichtet, schafften wir am letzten Spieltag der Regionalliga Nord die Qualifikation für die eingleisige 3. Liga. Die Emotionen, das Abfallen dieser unbeschreiblich großen Last, die vielen Freudentränen, all das werde ich nie vergessen. Als Trainer hat er in den drei Spielen natürlich nicht den allergrößten Anteil gehabt, aber gefühlt war er unser Retter und wird dies immer bleiben.

Leider gibt es zu diesem Erlebnis, dass bei mir während des Schreibens Gänsehaut und Freudentränen verursacht, kaum ein wirklich schönes Video welches die Emotionen zu 100% darstellt. Dieses Video passt aber ganz gut.

Die Saison 2010/11

Eine unglaublich dominante Saison voller Erfolge und dem schlussendlich hochverdienten Aufstieg, dessen Punktzahl wohl dieses Jahr erstmalig vom SC Paderborn geknackt wird. Die Aufstiegsfeiern und die pure Spielfreude der damaligen Mannschaft

Eine sehr schöne Reportage beschreibt gut das damalige und auch noch heute aktuelle Gefühl vieler Fans. Man steht zu Eintracht, egal was passiert.

Der Aufstieg in die Bundesliga

Die Emotionen des Torsten Lieberknechts während der Aufstiegsfeier spiegeln für mich die Verbundenheit und die Liebe zum Verein perfekt wieder. Ebenfalls ein absoluter Gänsehaut-Moment.

Die Bundesliga-Saison

Trotz des Abstiegs war die Stimmung die komplette Saison großartig und mit vielen unvergesslichen Momenten. Von den Siegen gegen die anderen Nord-Clubs und vielen Spielen mit herausragender Stimmung zu Momenten tiefer Trauer aber voller Stolz.

So zum Beispiel die 0:4-Heimniederlage gegen den VfB. Von einer Allesfahrerin aus dem gegnerischen Lager treffend beschrieben, wurden kurz vor Schluss tausende Schals in die Luft gestreckt. Aus ebenso vielen Kehlen erklang lautstark You´ll never walk alone.

In der anschließenden Pressekonferenz sprach Lieberknecht von einem möglichen Rücktritt. Mit der Reaktion der Fans hatte er offensichtlich nicht gerechnet.

Mehrere hundert Fans erschienen beim Training um ihn aufzumuntern. Mit vielen Sprechchören und einem geschenkten Trikot wurden dem Trainer wieder mal die Tränen in die Augen getrieben. Eine fast baugleiche Situation zu der aktuellen, bloß mit einer deutlich besseren Tabellensituation.

Besonders emotional war die Feier nach dem Abstieg. Minutenlang wurde die Mannschaft von den etwa 6000 Mitgereisten aus vollem Halse gefeiert. Verzweifelt versuchten die Hoffenheimer ihre arrangierte Abschlussfeier irgendwie fortzusetzen doch heute hatten sie keine Chance. Stimmung vor und nach dem SpielStimmung nach dem Spiel. Bei den „Feierlichkeiten“ kam es zu einer unglaublich berührenden Szene: Ein kleines Mädchen lief aufs Spielfeld und überreichte Torsten Lieberknecht eine Blau-Gelbe Rose. Den Tränen erneut mehr als nahe hob er die Kleine hoch und sprach einige Worte mit ihr, während die Fans weiter feierten. Artikel über das Blumenmädchen

Liebe zum Verein

Ich durfte schon längere Gespräche mit Torsten führen. Zum Einen durch meine Besuche bei Trainingslagern und Testspielen, zum Anderen besuchte er meinen Fanclub bei unserer Weihnachtsfeier für mehrere Stunden. In diesen Gesprächen ist mir klar geworden, wie sehr er unseren Verein liebt. Genau so wie die Fans die in der Kurve stehen. Er ist einer von uns, für immer. Er wird immer sein Herzblut geben und den Verein lieben. Solche Eigenschaften werden wir vermutlich lange nicht bei einem neuen Trainer finden. Wie bereits gesagt, über die sportlichen Aspekte werde ich nicht sprechen.

Kleine Anekdote

Torsten nimmt sich Kritik immer sehr zu Herzen, wesegen er mit dem unqualifizierten Gepöbel wohl auch schwer zurecht kommt. Sollte aber jemand die Kritik sachlich und begründet äußern spricht er gerne und diskutiert auch lange. Vor einigen Jahren rief er einen Leserbriefschreiber an und sprach lange mit dem Verfasser.

Schöne Momente in Blau-Gelb

50-Jahre Meisterfeier

„In den Farben Gelb und Blau, 1967 das war unser BTSV“ So schallt es aus den Eintracht-Kehlen, wenn auf der Uhr die 67 zu sehen ist. Am 03.06.1967 wurde die Eintracht das einzige mal Meister. Damals wie heute eine außergewöhnliche Meisterschaft, die heute noch regelmäßig gefeiert wird. 2017 feierte diese ihren 50. Geburtstag. Der Verein veranstaltete eine „Meisterfeier“ in der Braunschweiger Stadthalle.

Moderiert von Esther Sedlaczek wurden wir durch ein blau-gelbes Programm mit vielen Elementen aus der Meistersaison geführt. Die komplette aktuelle Mannschaft, die erst vor kurzem in der Relegation scheiterte, sowie einige Meisterspieler vertraten den Verein. Die Stimmung war grandios und bereitete einem regelmäßig Gänsehaut. Die etwa 90-minütige Veranstaltung mündete in eine große Feier mit Live-Musik und mehreren Ständen zur Nahrungsaufnahme. Tränen flossen während der Huldigung der Meistermannschaft  nicht nur bei unserem Trainer und einigen Spielern, das Gesamte Publikum war sehr emotional und dementsprechend lautstark waren, die eigentlich eher im Stadion genutzten, Fangesänge.

Ein absolutes Highlight für mich, auch wenn ich erst 30 Jahre nach Gewinn der Meisterschaft geboren wurde. Wer Interesse hat, kann sich die gesamte Veranstaltung hier anschauen. Ab 1:30:30 beginnt das letzte Video, danach kommen die Meisterspieler auf die Bühne und werden gebührend gefeiert.

 

Aufstiegsfreistoß in die Bundesliga +Aufstiegsmomente

Die Saison 2012/13 war die zweite Zweitligasaison seit dem souveränen Aufstieg aus der 3. Liga. Wir starteten mit einigen Siegen und auch der Rest der Saison verlief unter dem Motto „Traum von Liga 1“ sehr erfolgreich. Am 26.04.2013 war es dann soweit: Mit einem Sieg in Ingolstadt wären wir aufgestiegen. Noch heute trauere ich um die verpasste Auswärtsfahrt, leider war das Spiel an einem Schultag.

Da ich eher selten Auswärtsspiele verpasse, kam ich irgendwie nicht auf die Idee, das Spiel in einer Kneipe zu schauen, also saßen wir in kleiner Runde auf dem heimischen Sofa. Die Anspannung war riesig, niemand hatte vor der Saison auch nur annähernd mit einer derartig guten Saison gerechnet. Man hörte nur die mitgereisten Löwen-Anhänger, die natürlich zahlreich mitgereist waren. Doch der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Es lief schon die Nachspielzeit als es nochmal einen Freistoß gab. Vrancic und Dogan standen bereit, ich zitterte vor Anspannung, Dogan täuscht an, Vrancic schießt… der Ball fliegt wie in Zeitlupe über die Mauer, in einem Film würde jetzt ein Herzklopfen eingespielt werden, aufs Tor und „JAAAAAA!“. Plötzlich war ich auf der anderen Seite des Couchtisches und schrie mit die Seele aus dem Leib! Was ist denn jetzt los! Wir führen! Wir steigen auf! Die letzten Momente zogen sich unendlich lang bis endlich der Abpfiff ertönte! Bundesliga! Wir! Nach kurzem Ausrasten fuhren wir in die Stadt und feierten dort mit einigen Hundert Fans im strömenden Regen.

Hier einige Videos zur Verdeutlichung der Emotionen 🙂

Reaktionen beim Tor im AltstadttreffReaktionen beim Abpfiff im AltstadttreffSicht im Stadion (Nicht im Auswärtsblock)Sicht aus dem BlockSicht aus dem Block II

Natürlich ist die normale Aufstiegsfeier ebenfalls erwähnenswert, immerhin feierten hier mehr Blau-Gelbe als in unser Stadion passen, die ganze Stadt war Blau-Gelb. Leider gibt es davon keine schönen, mir bekannten, Videos. Die Emotionen vom Trainer Torsten Lieberknecht sprechen aber Bände. Schön war auch der Empfang der Mannschaft nach der Rückkehr aus Ingolstadt. Gänsehaut pur!aufstieg2aufstieg3.jpg

Das letzte Spiel gegen den FSV Frankfurt war dann einfach Party pur! Hochemotionale Tage die man nie vergessen wird!

You´ll never walk alone

Sicher stört es einige, dass dieses Lied nicht nur in Liverpool gesungen wird. Wir singen allerdings eine Variante die dem Original sehr ähnelt, zumindest so wie es sich im Anfield anhört.

Ich möchte mich auf zwei Momente beziehen in denen wir Fans dieses Lied ohne musikalische Unterstützung sangen, nur aus unseren Kehlen:

Beim 0:4 gegen Stuttgart: Es liefen die letzten Minuten, wir waren sieglos auf dem letzten Platz und lagen deutlich zurück, bis die gesamte Südkurve dieses Lied anstimmte und ihre Schals erhob. Auch ein großer Teil der anderen Fans sang mit. Wir feierten einfach unser Bundesliga-Erlebnis: Einfach geil!

Das zweite Mal haben wir unsere Mannschaft in derselben Saison nach dem Abstieg gegen Hoffenheim so gefeiert: Schön und Traurig zugleich!

Der 3:1-Sieg gegen Union

Es war der 32. Spieltag der Saison 2016/17. Mit einem Sieg mit zwei oder mehr Toren würden wir zwei Spieltage vor Saisonende auf Platz zwei springen. Viele zweien und eine riesige Chance. Die Ultras hatten sich eine unglaublich eindrucksvolle Choreo überlegt. Jeder Block trug Ponchos. Immer abwechselnd Blau oder Gelb. Das ganze Stadion erstrahlte in unseren Farben. Die Stimmung war ebenso angespannt wie atemberaubend. union5

4. Minute: Boland schießt knapp übers Tor, eigentlich kaum eine nennenswerte Aktion wenn nicht plötzlich das ganze Stadion aus vollem Halse „Eintracht! Eintracht! Eintracht!“ schreien würde. Gänsehaut! Zwei Minuten später zischt ein Reichel-Kanonenschlag ins Unioner Tor. Jetzt ist alles vorbei. Ein Jubelschrei wie bei einem Last-Minute-Aufstieg aus allen Braunschweiger Kehlen, morgen würde ich heiser sein, das war mir jetzt schon klar. Keiner aus der Südkurve hielt sich heute zurück. Jedes einzelne Lied erklang aus jeder einzelnen Kehle. union1

Jetzt wollten alle das zweite. Bis zur 64. Minute hielt sich die Stimmung auf dem absoluten Gänsehaut-Niveau. Dann kam wieder Reichel! Irgendwie reingestochert, ist ja auch total egal: TOR! Wir stehen auf einem direkten Aufstiegsplatz! Leider fiel knapp eine Minute später der Ausgleichstreffer. Bis auf die mitgereisten Unioner peitschte das ganze Stadion verzweifelt die Löwen nach vorne.

15 Minuten vor dem Ende, ein Konter läuft, ohrenbetäubendes aber undefinerbares Geschrei aus jedem Blau-Gelben Mund. Jeder schrie einfach irgendetwas. Mach ihn! Schieß! Bis ein einziger synchroner Schrei das ganze Stadion explodieren lies. Eine Mischung aus JAAAAA! und TOOOOR! wurde zu einem Dröhnen, Arme fliegen jubelnd durch die Luft, der abschließende Jubelgesang ließ die Stadionmauern erbeben. unionjassi.jpg

Den Rest des Spiels wurde nur noch gefeiert. Der Schlusspfiff ertönte und es war klar: Wir stehen auf dem zweiten Platz! Nach dem Spiel verließ lange kaum einer das Stadion, das Ergebnis wurde ausgiebig mit der Mannschaft gefeiert.

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Nach dem Spiel wurde die Mannschaft noch lange gefeiert.

Die Fotos sind von Braunschweig 1895 Stadionfotografie seit 2005.

 

Das Ende

Die Spieler hatten am Sonntag nachmittags trainingsfrei. Deswegen haben ich die letzten beiden Tage zusammen gefasst. 

Das Training am Sonntag startete nach einem Aufwärmprogramm mit einer scharfen und deutlichen Ansage vom Trainer. Die 0:4-Niederlage gegen den niederländischen Zweitligist NEC Nijmengen hat ihm natürlich überhaupt nicht gepasst. Das Training wurde dann mit spielerischen Elementen fortgesetzt während die Torhüter ein extra Training bekamen. Die Torwarttrainer Daniel Ischdonat und Alexander Kunze haben sich ein dickes Extralob verdient. Das Training der Torhüter war immer sehr interessant und vor allem abwechslungsreich. So mussten die Torhüter zum Beispiel Rechenaufgaben lösen während der Ball auf sie zurollte. In welches Minitor der Ball sollte wurde dadurch entschieden ob das Ergebnis gerade oder ungerade war. 

Es wurden verschiedene Sprungübungen und Reaktionstests trainiert sowie eine gute Portion Koordination und Fitness. 

Nicht nur die Torwarttrainer hatten ihren Spaß. Auch wir fühlten uns gut untehalten. Zwischendurch fand sich immer wieder Zeit für ein kurzes Gespräch. Der gesamte Trainer- und Mitarbeiterstab war stets sehr freundlich und an Gesprächen interessiert, oft in Eigeninitiative. Die Spieler waren ebenfalls immer sehr freundlich und gesprächsbereit, allerdings haben sie während des Trainings natürlich keine Zeit zum quatschen. Nach dem Training haben wir noch ein Foto mit Louis Samson und Jan Hochscheidt gemacht. Louis war auf der Weihnachtsfeier meines Fanclubs und hat sich dort mehrere Stunden mit uns unterhalten. Jan hat sich schon im letzten Trainingslager mit uns unterhalten und war immer sehr freundlich zu uns Fans. 

Nach dem Training war der „aktive“ Tag für die Spieler vorbei. Nachmittags hatten sie trainingsfrei. 

Wir besuchten am Nachmittag das nahe gelegene Gibraltar. Leider war es dort sehr kalt, unser besuch ging nicht bis auf den „Rock of Gibraltar“. 

Auf der Rückreise besuchten wir kurz andere mitgereiste Fans in einem anderen Hotel. Danach ging es wieder zum Essen nach Benahavis. Dort gab es leckere handgeformte Pizza. 

Der Pizzaofen
Am Abreisetag regnete es sehr stark und war merklich abgekühlt. 

Schlechtes Wetter am letzten Tag
Es regnete in Strömen

Vor dem Training brachten wir unsere Sachen ins Auto und checkten aus. 

Durch den starken Regen wurde das Training auf die festen Plätze verlegt. Durch den Regen hatte es vorher meherere kurze Stromausfälle im Hotel gegeben. 

Aufwärmen im Regen
Der Abfluss war leicht überfordert. Das Wasser war wenige Zentimeter hoch.

Ein Dehn- und Fitnessprogramm wurde in einem überdachten Tennisplatz absolviert. 

Eine Gruppe absolvierte ein Lauftraining

Das Lauftraining der zweiten Gruppe führte den steilen Weg und Treppen entlang den wir immer zum Essen gegangen waren. 

Gegen 11.30 brachen wir Richtung Flughafen auf. So ging das Trainingslager für uns zu Ende. Den Rest der Reise twittere ich unter #ConcordiaBrunsvigaInternational 

Vom Winde verweht 

Nach einer regnerischen und stürmischen Nacht ist es deutlich kühler geworden. Und so verfolgten wir das kurze Anschwitzen etwas wärmer eingepackt als sonst. Etwa 15 Fans verfolgten die kurze Einheit. 

Anschwitzen für das erste Testspiel
Für 16 Uhr war das erste Testspiel angesetzt. Die Anreise dauerte etwa 45 Minuten und führte durch viele kurvige Bergstraßen mit traumhafter Aussicht. 

Als wir das Estadio Jose Burgos Quintana erreichten. Waren wir sehr verwundert, dass so abgelegen und ohne feste Zufahrstraße, ein Stadion liegt. Dafür lag das Stadion sehr idyllisch. 

Etwa 70 Zuschauer verfolgten die Partie. Die meisten in der Sonne.
Leider war es sehr frisch und relativ windig. Wirklich angenehme Plätze gab es nicht. Und so schrumpfte die Zuschauerzahl mit zunehmender Spieldauer. Das lag allerdings auch am Ergebnis. Nach etwa 10 Minuten stand es 2:0 für den NEC Nijmegen. Halbzeitstand war 3:0 und der Endstand 4:0. Nach dem Spiel sahen alle Zuschauer ziemlich durchgefroren aus. An positiver Unterhaltung war nicht viel geboten. Positiv anzumerken ist, dass Suleihman „Manni“ Abdullahi sich bei einem Zusammenstoß mit einer Sitzbank nicht verletzte. Das Highlight aus Braunschweiger beziehungsweise unserer Sicht war mein Vater als er versuchte den Ball zurück zu spielen. Von der anwesenden Gruppe Eintracht-Fans wurde dies lautstark kommentiert. 

Schusshaltung Note 1 Zielgenauigkeit Note 6

Nach dem Spiel wurde ein gemeinsames Foto mit den anwesenden Fans und Spielern gemacht und die Rückreise in die Hotels angetreten. 

#ConcordiaBrunsvigaInternational

Die drei Könige aus dem Hubschrauber 

Der 5.1. wars sehr ereignisreich. Das erste Training um 7.30 haben wir nicht gesehen, dafür haben wir zusammen mit den Spielern gefrühstückt. 
Um 10.30 startete das zweite Training. Erneut herrschte strahlender Sonnenschein vor der tollen Kulisse. 

Diesmal waren etwas mehr Zuschauer da, einige bekannte Gesichter wurden begrüßt. Während der taktisch geprägten Einheit wurde viel gequatscht und das schöne Wetter genossen. 

Kumba kommt dem Mannschaftstraining immer näher
Es wurden noch einige Spielzüge mit Torabschluss geübt, dann war das Training vorbei. 

Als wir den Kern von Benahavis erreichten, wurden wir von etwa einem Dutzend Hüpfburgen überrascht. In den sonst recht ruhigen Straßen herrschte ein großes Gewusel. Viele Kinder spielten während sich die Erwachsenen lautstark unterhielten. Wir fanden wieder ein sehr schönes Restaurant. 

Die Ruhe vor dem Sturm

Im Hotel angekommen genossen wir die immer noch strahlende Sonne bevor wir uns ein weiteres Spektakel anschauen wollten. Als ich die Rezeption nach dem Namen des Festes fragte, erfuhr ich, dass heute die Heiligen drei Könige durch die Stadt ziehen und Süßigkeiten verteilen werden. Sie sollten mit einem Hubschrauber landen und dann mit einer kleinen Parade los ziehen. Und so landete um halb fünf tatsächlich ein Hubschrauber der Polizei auf dem Trainingsplatz. Der bereits auf das Training wartende Trainerstab so wie ein paar Spieler und wir beobachteten das Spektakel gespannt und interessiert. Die aussteigenden Könige wurden mit Jubel empfangen. Kurz darauf zog der Umzug lautstark Richtung Benahavis. 

Ein paar Minuten später begann das letzte Training des Tages. Die Sonne verschwand hinter den Bergen und es wurde sofort merklich kühler. 

Teamwork!

Neben der Presse und einigen einheimischen Kindern waren wir die einzigen Zuschauer. In der Trainingseinheit wurde mit verschiedenen Bedingungen ziemlich frei gespielt, während der übrig bleibende Torhüter ein recht anstrengend aussehendes Extra-Training hatte. 

Einge Mitglieder des Trainerstabs und die Torhüter veranstalteten noch ein Lattenschießen, dann war auch die letzte Trainingseinheit beendet. 

Abbauen und ab ins Hotel

Unser Abendessen nahmen wir in einem kleinen englischen Lokal zu uns. 

Morgen steht das erste Testspiel des Jahres an. Wer meine Tweets zum Trainingslager verfolgen will, kann dies unter #ConcordiaBrunsvigaInternational tun. 

Sonnenschein und Heizpilze 

Der zweite Tag des Trainingslagers begann mit einer taktisch geprägten Traingseinheit bei strahlendem Sonnenschein um 10 Uhr morgens. Außer uns und der Presse ist nur ein junges Paar als Zuschauer anwesend. 

Mittags fanden wir nach einem kurzen Einkauf in einem kleinen Supermarkt eine schnuckelige Tapas-Bar. In „Lolas Bar“ wurden uns köstliche und sehr preisgünstige lokale Spezialitäten serviert. Ein kulinarisches Highlight! 

Danach verbrachten wir noch einige Zeit an einem ruhigen Strandabschnitt in der Sonne. 

Um 16.30 stand das nächste Training ein. Während die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand, schwitzen die Spieler beim Zirkeltraining. Anschließend wurde in vier Gruppen ein Überzahlspiel mit je zwei Verteidigern im Kreis gespielt. Dabei machte aus das Trainerteam mit. Es wurde viel gelacht, die Stimmung war großartig. 

Wie immer verabschiedeten sich die Spieler sehr freundlich. 

Abends gingen wir wieder in den Kern von Benahavis. Hier gibt es unglaublich viele Restaurants. Wir haben uns für das „El Codero“ entschieden und haben sehr leckere Pizza aus dem Steinofen gegessen. Da die Temperaturen für die Einheimischen offensichtlich sehr kalt sind, stehen in den meisten  Restaurants Heizpilze. Viele Einheimische tragen auch dicke Wintersachen znd Wollmützen während ich mir eine kurze Hose wünschte. Nach dem, durch den Heizpilz sehr heißen, Restaurantbesuch kühlten wur uns noch mit einer Fanta Limon ab und ließen den Tag langsam ausklingen. Dann ging es bergab Richtung Hotel. 

Ich twittere regelmäßig unter #ConcordiaBrunsvigaInternational über meinen Tagesblauf in Benahavis. 

Eintracht Braunschweig international!

Eintracht ist derzeitim Trainingslager in Benahavis. Das ist in der Nähe von Malaga. Ich bin hinter her gereist. Ein kurzer Bericht über meine Erlebnisse wird jeden Tag erscheinen. 

Los ging es bereits am 02.01. in Richtung Hamburg. Dort verbrachte ich eine Nacht und um kurz nach neun stand ich schon am Check-In-Schalter. Lustigerweise flogen die Zweite des SV Werder Bremen sowie der FC St. Pauli mit dem selben Flugzeug wie wir. So kam es recht schnell zum ersten großen Highlight des Fluges: Ich traf die Braunschweiger Legende Marc „Pfitze“ Pfitzner! Er spielte 2005-2016 für die Eintracht, ist selber ein richtiger Löwe und einer meiner absoluten Lieblingsspieler. 

Unser Flug verlief ziemlich ruhig. Bei der Ankunft am Hotel konnten wir schon die Eintracht-Profis trainieren sehen. Nach einer kurzen Begrüßung haben wir schnell eingecheckt und sind wieder zurück zum Training. Viel beobachten konnten wir nicht mehr, denn das Training war ziemlich schnell vorbei. Alle Spieler waren sehr freundlich und viele begrüßten uns persönlich. Nach einem kurzen Plausch mit dem Social-Media-Team gingen wir stadteinwärts um zu Abend zu essen. Benahavis ist ziemlich klein aber sehr schön und „schnuckelig“. Es gibt viele kleine Restaurants und alles ist sehr sauber. 

Viel zu berichten gibt es am ersten Tag nicht, die nächsten Tage werden bestimmt spannender. Auf Twitter kann man meinen Tag verfolgen. Dort Twittere ich unter #ConcordiaBrunsvigaInternational immer wenn etwas interessantes passiert. 
Kevin

Die Schattenseiten einer Auswärtsfahrt

Wie bereits im vorherigen Beitrag beschrieben, erlebt man auf einer Auswärtsfahrt oft unvergessliche Momente. Leider kommt es auch zu Momenten die einen ziemlich schlechten Beigeschmack haben. Momente in denen das Adrenalin durch den Körper schießt. Nicht etwa durch das späte Siegtor oder das Anfeuern aus vollem Halse. Sondern aus Angst oder Ärger.

Ein sehr unschönes Erlebnis durfte ich rund um das Relegations-Hinspiel in Wolfsburg. Diese beiden Spiele taten sehr weh und sind auch lange noch nicht verdaut. Unsere Niederlagen damals waren schon ein ordentlicher Tiefschlag und sich an diese Zeit zu erinnern tut schon weh. Für mich persönlich ist es allerdings wichtig die Vorkommnisse gerade aus dem Hinspiel aus meiner Sicht darzulegen.

Wolfsburg und Braunschweig trennen nur wenige Kilometer, viele Eintracht-Fans arbeiten in Wolfsburg oder kommen aus der Nähe. Ebenso wohnen viele Wolfsburg-Fans in Braunschweig. Es gibt somit viele alltägliche Berührungspunkte. Aus Sicht der Wolfsburger Anhänger handelt es sich bei dieser Begegnung um ein Derby. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass auch einige Braunschweiger diese Meinung teilen. Ich und viele Andere nicht: Für mich persönlich ist dieser eher „kleine“ Verein eher wie das nervige Nachbarkind, dass dir immer seine tollen Spielsachen zeigt (ohne, dass es dich auch nur im Geringsten interessiert) und auf alles neidisch ist was es sich von dir nicht kaufen kann. Im vorliegenden Fall eine etwas treuere Anhängerschaft und eine Anerkennung als Traditionsverein mit einer ausgeprägten Fankultur. Zugegebenerweise hat sich die Fankultur von der Nachbarstadt positiv entwickelt, allerdings fällt es nicht besonders schwer Punkte zu finden über die man sich lustig machen kann. Sicher ist das andersrum genau so. Mich und viele Blau-Gelbe interessiert dieser Verein einfach nicht, er ist uns einfach scheiß egal. Natürlich ist die Rivalität größer, wenn man mehr Fans vom anderen Verein kennt als sonst, doch ein Derby ist etwas anderes, zumindest aus meiner Sicht.

Ich habe einige Freunde und Bekannte die VfL-Fans sind, die sind auch sehr nett, doch für den Derbycharakter fehlt einfach einiges. Man stänkert sich zwar gerne, manchmal weniger erfolgreich (ihr werdet auf ewig hinter euch bleiben, liebe VfLer :P), das gehört auch dazu aber ein richtiges Derby ist für mich nur das Niedersachsen-Derby. Vielleicht wird es irgendwann zum zweiten Derby, schauen wir mal wie es sich entwickelt.

Aber zurück zum 25.05.2017:

Ohnehin fahren regelmäßig Züge Richtung Wolfsburg. Zum Relegationsspiel wurde zusätzlich noch ein kostenloser Entlastungszug eingesetzt. Benötigt wurde nur die Eintrittskarte. Zusätzlich wurde noch das Verbot der alkoholischen Getränke kontrolliert, jede Flasche wurde beschnuppert. Dann ging es gut gelaunt und mit einigen Gesängen, natürlich dem heutigen Gegner und dessen Hauptsponsor angepasst, Richtung Nachbarstadt. Bei der Ankunft im eher kleinen Bahnhof wurden wir natürlich schon freundlich empfangen. Das heißt wir wurden von schwer gepanzerten Uniformierten in Richtung Ausgang geschoben. Immerhin war der Klogang trotzdem möglich. Vor der Halle hatten sich schon einige Blau-Gelbe versammelt immerhin wurde gebeten sich von dort gemeinsam zum Stadion zu begeben, zudem war von unserer Seite aus ein Fanmarsch geplant. Als der letzte Zug ankam der noch mitgehen sollte, dauerte es noch etwas bevor es los ging. Zu bewältigen waren etwa zwei Kilometer. Durch die große Masse kam der Marsch natürlich nur langsam voran, zudem eingekesselt von Unmengen an Polizei. Jedes Lokal war zugesperrt und die Gäste „durften“ zusammen mit je zwei Polizisten von innen zugucken. Leider kam es auf dem Weg hin und wieder zu „kleineren“ Sachbeschädigungen, soweit ich das sehen konnte (Aufkleber auf Autos von VfL-Fans, Kennzeichen entfernt). Sowas geht natürlich gar nicht, soll aber erstmal keine Rolle spielen. Obwohl die Polizei alles daran setze uns in Schach zu halten (bis auf etwas Pyrotechnik und Gesänge ist überhaupt nichts passiert), hatte man wohl vergessen, dass es auch VfL-Fans gibt. Dafür, dass wir zum Stadion „geschoben“ wurden, kam es ziemlich oft vor, dass Vfl-„Fans“ angerannt kamen und sowohl provoziert als auch Gegenstände geworfen haben. Gleiches geschah dann auch aus unserem Lager. Gegen Provokationen aus dem Fenster kann man als Polizei natürlich wenig machen, aber wenn zwei oder drei VfL-Fans auf einen Eintracht-Fanmarsch zukommen und provozieren, sollte man vielleicht die entfernen, anstatt diese in Ruhe zu lassen und auf die Dutzenden reagierenden Eintracht-Fans einzugehen. Der Aufwand dürfte deutlich geringer sein.Das Vorgehen der Polizei und der Ordner sind als Fan allerdings selten nachvollziehbar. Die allermeisten Auswärtsfahrer haben da mehrere Geschichten parat.

Kurz vor dem Stadion sollten wir dann auf eine Brücke abbiegen. Da die Polizei sehr rigoros vorging und auch Unbeteiligte unsanft wegstieß, hatte ich mich so ziemlich ans Ende fallen lassen. Die netten Polizisten aus den letzen Reihen haben uns sogar gesagt wie schnell wir gehen „dürfen“: Was für ein Service! Jedenfalls wunderte ich mich aus etwa 100m Entfernung, wie wir denn auf die Brücke kommen sollten. Denn es schien so als hätten die Wasserwerfer die Kreuzung komplett zu gefahren. Die Masse blieb stehen, plötzlich kam weiter vorne Bewegung rein. Viele Helme flitzten hin und her. Dann kam auch schon die Ansage, die ich trotz der nicht ganz so großen Entfernung nur schwer verstehen konnte. Es wurde anscheinend darum gebeten, den Weg nicht zu verlassen. Währenddessen wurden wir mehr oder weniger sanft weiter geschoben, es wurde immer enger, noch hatte man genügend Platz. Ich unterhielt mich gerade darüber wo wir lang gehen sollten bis plötzlich…“wusch“ die Wasserwerfer anfingen zu schießen.

Das Schieben wurde jetzt unsanfter und kam auch nicht mehr nur von hinten. Ich wusste nicht was geschehen war und konnte auch nichts genaues erkennen, schossen die Wasserwerfer doch in alle Richtungen. Seit der Ansage war bei weitem noch keine Minute vergangen. Mir wurde etwas mulmig als ich die zurück weichende Menge sah, es wurde wieder enger. Ein leichter Wassernebel erreichte nun auch uns, der harte Strahl des Wasserwerfers traf nun etwa 70 Meter vor uns auf die Blau-Gelbe Masse, immer und immer wieder. Nun flogen erste Flaschen und Steine und nicht wie später oft berichtet, vorher. Ein Ausweichen des immer noch aktiven Wasserwerfers war für die vorderen Reihen nicht möglich, scheinbar wahllos wurde in die Menge geschossen. Geschrei durch Megaphone der Polizei, Geschrei durch Fans, es herrschte spürbar Angst und Wut in den Blau-Gelben Reihen. Die Unwissenheit, was einen derart rigorosen Einsatz der Polizei rechtfertigte, lag schwer im Magen:  Nehmen die jetzt auch noch Fans fest? Haben die vorderen Reihen die Polizei angegriffen? Gibt es Verletzte? Kommen wir noch zum Spiel?

Ich konnte sehen wie großflächig Pfefferspray eingesetzt wurde. Es war bereits vorher deutlich zu sehen, dass der Einsatz definitiv nicht ausschließlich gegen Ultras oder Aggressoren gerichtet war. Nach gefühlten Stunden, tatsächlich waren es mehrere Minuten, ging es weiter. Als ich genauer sehen konnte wer von dem „Angriff“ der Polizei getroffen worden war, konnte ich es nicht fassen. Ich kam an  zusammengebrochen schluchzenden Frauen vorbei, die bestimmt genau so wenig zur Ultra-Szene gehörten wie die tropfnassen Kinder. Die Stimmung schwankte zwischen schockiert und aufgeheizt. Verständnislos musste ich erfahren, dass der Einsatz der Polizei tatsächlich aus dem Verlassen der vorgegebenen Wege resultierte. Die Polizei hatte vorher zwar angekündigt, rigoros vorzugehen, allerdings war der Weg zur Brücke so eng, dass man nicht davon ausgehen darf, dass fast alle angereisten Braunschweiger auf einmal dort problemlos passieren können. Der Marsch bestand wohl aus etwa 2.000 Braunschweigern, teilweise waren die Wege nur wenige Meter breit, tolle Planung!

Im weiteren Verlauf habe ich entsetzt erfahren, dass die Polizisten provozierende Sprüche gegen Braunschweiger richteten und einen großen Spaß am Wasserwerfereinsatz hatten. „Es machte den Eindruck, als hätten besonders die Beamten am Steuer des Wasserwerfers Gefallen an ihrem Job gefunden. Provozierend warfen sie den nassen Braunschweigern Kusshände zu und machten süffisante Durchsagen wie: „Macht Euch bereit für die nächste Runde“.“ berichtet Tobias Bosse von seinen Erlebnissen in seinem Bericht für das SEEN Magazin (hier könnt ihr den ganzen Bericht nachlesen).

Durch eine ebenfalls sehr enge Treppe gelangten wir dann auf den Stadionvorplatz. Hier ging es wieder mal vorerst nicht weiter. Die Pause nutzen viele Fans um sich zu trocknen. Brillen wurden wieder zurecht gebogen oder zerbrochen verstaut. Die Polizei hielt sich jetzt etwas im Hintergrund, dementsprechend wurde die Stimmung etwas ruhiger und es wurde schon wieder gesungen. Kurz darauf ging es Richtung Gästeblock.

Jeder der den Gästeeingang in Wolfsburg kennt, kann sich vorstellen was passiert, wenn alle Gästefans auf einmal in den Block wollen. Immerhin sind Sitz- und Stehplätze getrennt. Allerdings gibt es nur zwei „Türen“ die zu den beiden Drehkreuzen führen. Idealerweise wird jeder Eingang von einer Art Wellenbrecher, wie es auch im Stadion zu finden ist, geschützt. Leider läuft dieses „Gestänge“ in Richtung der wartenden Fans sehr spitz zu. Nun war es so, dass der Einlass sehr lange dauerte und der Anpfiff immer näher rückte. Die Stimmung wurde wieder etwas unruhiger, bis es zu einem erneuten Zwischenfall kam.

Fast der komplette harte Kern der Szene war bereits im Stadion als im Heimbereich vermummte VfL-Fans auf den Gästebereich zuliefen und versuchten das Tor zu öffnen. Der restliche harte Kern wollte natürlich „Hallo“ sagen und versuchte zu den „Angreifern“ zu gelangen. Zwischen ihnen und dem anvisierten Ziel befanden sich allerdings einige hundert gemäßigte Eintracht-Fans, etwa die Hälfte war bereits im Block. Die Menge wogte hin und her, man wurde an gefühlt ein Dutzend Nebenmänner gepresst. Zum Glück trennte die Polizei die beiden Gruppen nicht in der Menge, sonst hätte es viele Verletzte gegeben. Die Situation eskalierte nicht völlig. Nach kurzer Zeit hatte man wieder etwas mehr Platz. Wirklich bewegen konnte man sich allerdings nicht. Einige Fans waren gefallen und richteten sich wieder auf, die Stimmung war wieder ziemlich angespannt. Jetzt wollte fast ausnahmslos jeder so schnell wie möglich ins Stadion. Das Tor zum Stadion, welches zwischenzeitlich geschlossen worden war, wurde wieder geöffnet und der Einlass im Schneckentempo startete erneut.

Aufgrund der extremen Enge machten erste Fans Bekanntschaft mit dem spitzen Wellenbrecher, so auch ich. Gerade kleinere Personen wurden von der ganzen Masse gegen die Ecke gedrückt. Ich habe nicht genau mitbekommen, ob es Verletzte gab, zum Glück wurde den meisten schnell über den Wellenbrecher geholfen. Die Ordner sahen trotz der drückenden Enge keinen Grund zur Eile und ließen gemächlich einzelne Fans passieren.

Endlich war ich im Stadion, meine Begleiter  hatte ich kurz vor der Einlasskontrolle aus den Augen verloren. Nach kurzem Suchen waren wir wieder vereint und standen vor einem neuen Problem: Der Block war voll, richtig voll. Da der Block eigentlich ein Sitzblock ist und auch sonst so ziemlich einer der schlechtesten Auswärtblöcke Deutschlands ist, mussten wir für eine einigermaßen annehmbare Sicht erfinderisch werden. Wir balancierten schlussendlich auf der horizontal verlaufenden Haltestange der letzten „Sitzstehreihe“. War eigentlich ganz gut.

Nach dem Spiel wurde die Mannschaft noch gefeiert und eine ziemlich schlechte Bratwurst verzehrt. Die Polizei hat sich relativ viel Zeit genommen um den Rückmarsch zu starten. Ziemlich verblüfft war ich dann über die Geschwindigkeit die seitens der Polizei gefordert wurde. Mit mehreren Einsatzwagen hinter sich ist aber ohnehin kein Blau-Gelber besonders langsam gegangen. Um die, vorher so rigoros durchgeführte, Trennung der Fanlager schien sich jetzt keiner mehr wirklich zu kümmern. Ich selber habe keine Zwischenfälle mehr mitbekommen.

Am Bahnhof angekommen stand auch schon der Zug bereit und es ging wieder ab Richtung Braunschweig.

Das Bild ist von der Seite Braunschweig 1895 Stadionfotografie seit 2005.

Kevin