Die Schattenseiten einer Auswärtsfahrt

Wie bereits im vorherigen Beitrag beschrieben, erlebt man auf einer Auswärtsfahrt oft unvergessliche Momente. Leider kommt es auch zu Momenten die einen ziemlich schlechten Beigeschmack haben. Momente in denen das Adrenalin durch den Körper schießt. Nicht etwa durch das späte Siegtor oder das Anfeuern aus vollem Halse. Sondern aus Angst oder Ärger.

Ein sehr unschönes Erlebnis durfte ich rund um das Relegations-Hinspiel in Wolfsburg. Diese beiden Spiele taten sehr weh und sind auch lange noch nicht verdaut. Unsere Niederlagen damals waren schon ein ordentlicher Tiefschlag und sich an diese Zeit zu erinnern tut schon weh. Für mich persönlich ist es allerdings wichtig die Vorkommnisse gerade aus dem Hinspiel aus meiner Sicht darzulegen.

Wolfsburg und Braunschweig trennen nur wenige Kilometer, viele Eintracht-Fans arbeiten in Wolfsburg oder kommen aus der Nähe. Ebenso wohnen viele Wolfsburg-Fans in Braunschweig. Es gibt somit viele alltägliche Berührungspunkte. Aus Sicht der Wolfsburger Anhänger handelt es sich bei dieser Begegnung um ein Derby. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass auch einige Braunschweiger diese Meinung teilen. Ich und viele Andere nicht: Für mich persönlich ist dieser eher „kleine“ Verein eher wie das nervige Nachbarkind, dass dir immer seine tollen Spielsachen zeigt (ohne, dass es dich auch nur im Geringsten interessiert) und auf alles neidisch ist was es sich von dir nicht kaufen kann. Im vorliegenden Fall eine etwas treuere Anhängerschaft und eine Anerkennung als Traditionsverein mit einer ausgeprägten Fankultur. Zugegebenerweise hat sich die Fankultur von der Nachbarstadt positiv entwickelt, allerdings fällt es nicht besonders schwer Punkte zu finden über die man sich lustig machen kann. Sicher ist das andersrum genau so. Mich und viele Blau-Gelbe interessiert dieser Verein einfach nicht, er ist uns einfach scheiß egal. Natürlich ist die Rivalität größer, wenn man mehr Fans vom anderen Verein kennt als sonst, doch ein Derby ist etwas anderes, zumindest aus meiner Sicht.

Ich habe einige Freunde und Bekannte die VfL-Fans sind, die sind auch sehr nett, doch für den Derbycharakter fehlt einfach einiges. Man stänkert sich zwar gerne, manchmal weniger erfolgreich (ihr werdet auf ewig hinter euch bleiben, liebe VfLer :P), das gehört auch dazu aber ein richtiges Derby ist für mich nur das Niedersachsen-Derby. Vielleicht wird es irgendwann zum zweiten Derby, schauen wir mal wie es sich entwickelt.

Aber zurück zum 25.05.2017:

Ohnehin fahren regelmäßig Züge Richtung Wolfsburg. Zum Relegationsspiel wurde zusätzlich noch ein kostenloser Entlastungszug eingesetzt. Benötigt wurde nur die Eintrittskarte. Zusätzlich wurde noch das Verbot der alkoholischen Getränke kontrolliert, jede Flasche wurde beschnuppert. Dann ging es gut gelaunt und mit einigen Gesängen, natürlich dem heutigen Gegner und dessen Hauptsponsor angepasst, Richtung Nachbarstadt. Bei der Ankunft im eher kleinen Bahnhof wurden wir natürlich schon freundlich empfangen. Das heißt wir wurden von schwer gepanzerten Uniformierten in Richtung Ausgang geschoben. Immerhin war der Klogang trotzdem möglich. Vor der Halle hatten sich schon einige Blau-Gelbe versammelt immerhin wurde gebeten sich von dort gemeinsam zum Stadion zu begeben, zudem war von unserer Seite aus ein Fanmarsch geplant. Als der letzte Zug ankam der noch mitgehen sollte, dauerte es noch etwas bevor es los ging. Zu bewältigen waren etwa zwei Kilometer. Durch die große Masse kam der Marsch natürlich nur langsam voran, zudem eingekesselt von Unmengen an Polizei. Jedes Lokal war zugesperrt und die Gäste „durften“ zusammen mit je zwei Polizisten von innen zugucken. Leider kam es auf dem Weg hin und wieder zu „kleineren“ Sachbeschädigungen, soweit ich das sehen konnte (Aufkleber auf Autos von VfL-Fans, Kennzeichen entfernt). Sowas geht natürlich gar nicht, soll aber erstmal keine Rolle spielen. Obwohl die Polizei alles daran setze uns in Schach zu halten (bis auf etwas Pyrotechnik und Gesänge ist überhaupt nichts passiert), hatte man wohl vergessen, dass es auch VfL-Fans gibt. Dafür, dass wir zum Stadion „geschoben“ wurden, kam es ziemlich oft vor, dass Vfl-„Fans“ angerannt kamen und sowohl provoziert als auch Gegenstände geworfen haben. Gleiches geschah dann auch aus unserem Lager. Gegen Provokationen aus dem Fenster kann man als Polizei natürlich wenig machen, aber wenn zwei oder drei VfL-Fans auf einen Eintracht-Fanmarsch zukommen und provozieren, sollte man vielleicht die entfernen, anstatt diese in Ruhe zu lassen und auf die Dutzenden reagierenden Eintracht-Fans einzugehen. Der Aufwand dürfte deutlich geringer sein.Das Vorgehen der Polizei und der Ordner sind als Fan allerdings selten nachvollziehbar. Die allermeisten Auswärtsfahrer haben da mehrere Geschichten parat.

Kurz vor dem Stadion sollten wir dann auf eine Brücke abbiegen. Da die Polizei sehr rigoros vorging und auch Unbeteiligte unsanft wegstieß, hatte ich mich so ziemlich ans Ende fallen lassen. Die netten Polizisten aus den letzen Reihen haben uns sogar gesagt wie schnell wir gehen „dürfen“: Was für ein Service! Jedenfalls wunderte ich mich aus etwa 100m Entfernung, wie wir denn auf die Brücke kommen sollten. Denn es schien so als hätten die Wasserwerfer die Kreuzung komplett zu gefahren. Die Masse blieb stehen, plötzlich kam weiter vorne Bewegung rein. Viele Helme flitzten hin und her. Dann kam auch schon die Ansage, die ich trotz der nicht ganz so großen Entfernung nur schwer verstehen konnte. Es wurde anscheinend darum gebeten, den Weg nicht zu verlassen. Währenddessen wurden wir mehr oder weniger sanft weiter geschoben, es wurde immer enger, noch hatte man genügend Platz. Ich unterhielt mich gerade darüber wo wir lang gehen sollten bis plötzlich…“wusch“ die Wasserwerfer anfingen zu schießen.

Das Schieben wurde jetzt unsanfter und kam auch nicht mehr nur von hinten. Ich wusste nicht was geschehen war und konnte auch nichts genaues erkennen, schossen die Wasserwerfer doch in alle Richtungen. Seit der Ansage war bei weitem noch keine Minute vergangen. Mir wurde etwas mulmig als ich die zurück weichende Menge sah, es wurde wieder enger. Ein leichter Wassernebel erreichte nun auch uns, der harte Strahl des Wasserwerfers traf nun etwa 70 Meter vor uns auf die Blau-Gelbe Masse, immer und immer wieder. Nun flogen erste Flaschen und Steine und nicht wie später oft berichtet, vorher. Ein Ausweichen des immer noch aktiven Wasserwerfers war für die vorderen Reihen nicht möglich, scheinbar wahllos wurde in die Menge geschossen. Geschrei durch Megaphone der Polizei, Geschrei durch Fans, es herrschte spürbar Angst und Wut in den Blau-Gelben Reihen. Die Unwissenheit, was einen derart rigorosen Einsatz der Polizei rechtfertigte, lag schwer im Magen:  Nehmen die jetzt auch noch Fans fest? Haben die vorderen Reihen die Polizei angegriffen? Gibt es Verletzte? Kommen wir noch zum Spiel?

Ich konnte sehen wie großflächig Pfefferspray eingesetzt wurde. Es war bereits vorher deutlich zu sehen, dass der Einsatz definitiv nicht ausschließlich gegen Ultras oder Aggressoren gerichtet war. Nach gefühlten Stunden, tatsächlich waren es mehrere Minuten, ging es weiter. Als ich genauer sehen konnte wer von dem „Angriff“ der Polizei getroffen worden war, konnte ich es nicht fassen. Ich kam an  zusammengebrochen schluchzenden Frauen vorbei, die bestimmt genau so wenig zur Ultra-Szene gehörten wie die tropfnassen Kinder. Die Stimmung schwankte zwischen schockiert und aufgeheizt. Verständnislos musste ich erfahren, dass der Einsatz der Polizei tatsächlich aus dem Verlassen der vorgegebenen Wege resultierte. Die Polizei hatte vorher zwar angekündigt, rigoros vorzugehen, allerdings war der Weg zur Brücke so eng, dass man nicht davon ausgehen darf, dass fast alle angereisten Braunschweiger auf einmal dort problemlos passieren können. Der Marsch bestand wohl aus etwa 2.000 Braunschweigern, teilweise waren die Wege nur wenige Meter breit, tolle Planung!

Im weiteren Verlauf habe ich entsetzt erfahren, dass die Polizisten provozierende Sprüche gegen Braunschweiger richteten und einen großen Spaß am Wasserwerfereinsatz hatten. „Es machte den Eindruck, als hätten besonders die Beamten am Steuer des Wasserwerfers Gefallen an ihrem Job gefunden. Provozierend warfen sie den nassen Braunschweigern Kusshände zu und machten süffisante Durchsagen wie: „Macht Euch bereit für die nächste Runde“.“ berichtet Tobias Bosse von seinen Erlebnissen in seinem Bericht für das SEEN Magazin (hier könnt ihr den ganzen Bericht nachlesen).

Durch eine ebenfalls sehr enge Treppe gelangten wir dann auf den Stadionvorplatz. Hier ging es wieder mal vorerst nicht weiter. Die Pause nutzen viele Fans um sich zu trocknen. Brillen wurden wieder zurecht gebogen oder zerbrochen verstaut. Die Polizei hielt sich jetzt etwas im Hintergrund, dementsprechend wurde die Stimmung etwas ruhiger und es wurde schon wieder gesungen. Kurz darauf ging es Richtung Gästeblock.

Jeder der den Gästeeingang in Wolfsburg kennt, kann sich vorstellen was passiert, wenn alle Gästefans auf einmal in den Block wollen. Immerhin sind Sitz- und Stehplätze getrennt. Allerdings gibt es nur zwei „Türen“ die zu den beiden Drehkreuzen führen. Idealerweise wird jeder Eingang von einer Art Wellenbrecher, wie es auch im Stadion zu finden ist, geschützt. Leider läuft dieses „Gestänge“ in Richtung der wartenden Fans sehr spitz zu. Nun war es so, dass der Einlass sehr lange dauerte und der Anpfiff immer näher rückte. Die Stimmung wurde wieder etwas unruhiger, bis es zu einem erneuten Zwischenfall kam.

Fast der komplette harte Kern der Szene war bereits im Stadion als im Heimbereich vermummte VfL-Fans auf den Gästebereich zuliefen und versuchten das Tor zu öffnen. Der restliche harte Kern wollte natürlich „Hallo“ sagen und versuchte zu den „Angreifern“ zu gelangen. Zwischen ihnen und dem anvisierten Ziel befanden sich allerdings einige hundert gemäßigte Eintracht-Fans, etwa die Hälfte war bereits im Block. Die Menge wogte hin und her, man wurde an gefühlt ein Dutzend Nebenmänner gepresst. Zum Glück trennte die Polizei die beiden Gruppen nicht in der Menge, sonst hätte es viele Verletzte gegeben. Die Situation eskalierte nicht völlig. Nach kurzer Zeit hatte man wieder etwas mehr Platz. Wirklich bewegen konnte man sich allerdings nicht. Einige Fans waren gefallen und richteten sich wieder auf, die Stimmung war wieder ziemlich angespannt. Jetzt wollte fast ausnahmslos jeder so schnell wie möglich ins Stadion. Das Tor zum Stadion, welches zwischenzeitlich geschlossen worden war, wurde wieder geöffnet und der Einlass im Schneckentempo startete erneut.

Aufgrund der extremen Enge machten erste Fans Bekanntschaft mit dem spitzen Wellenbrecher, so auch ich. Gerade kleinere Personen wurden von der ganzen Masse gegen die Ecke gedrückt. Ich habe nicht genau mitbekommen, ob es Verletzte gab, zum Glück wurde den meisten schnell über den Wellenbrecher geholfen. Die Ordner sahen trotz der drückenden Enge keinen Grund zur Eile und ließen gemächlich einzelne Fans passieren.

Endlich war ich im Stadion, meine Begleiter  hatte ich kurz vor der Einlasskontrolle aus den Augen verloren. Nach kurzem Suchen waren wir wieder vereint und standen vor einem neuen Problem: Der Block war voll, richtig voll. Da der Block eigentlich ein Sitzblock ist und auch sonst so ziemlich einer der schlechtesten Auswärtblöcke Deutschlands ist, mussten wir für eine einigermaßen annehmbare Sicht erfinderisch werden. Wir balancierten schlussendlich auf der horizontal verlaufenden Haltestange der letzten „Sitzstehreihe“. War eigentlich ganz gut.

Nach dem Spiel wurde die Mannschaft noch gefeiert und eine ziemlich schlechte Bratwurst verzehrt. Die Polizei hat sich relativ viel Zeit genommen um den Rückmarsch zu starten. Ziemlich verblüfft war ich dann über die Geschwindigkeit die seitens der Polizei gefordert wurde. Mit mehreren Einsatzwagen hinter sich ist aber ohnehin kein Blau-Gelber besonders langsam gegangen. Um die, vorher so rigoros durchgeführte, Trennung der Fanlager schien sich jetzt keiner mehr wirklich zu kümmern. Ich selber habe keine Zwischenfälle mehr mitbekommen.

Am Bahnhof angekommen stand auch schon der Zug bereit und es ging wieder ab Richtung Braunschweig.

Das Bild ist von der Seite Braunschweig 1895 Stadionfotografie seit 2005.

Kevin

 

Auswärts erlebt man was

Bei knapp 70 Auswärtspielen und etwa 50 besuchten Stadien durfte ich schon einiges erleben. Wenn man in der Nähe des Heimatstadions lebt, erlebt man auf der Anreise zum Heimspiel eher wenig. Außerdem wird man als Heimfan auch „etwas“ anders behandelt im Vergleich zu den Auswärtsfans. Im Stadion selbst gibt es natürlich sowohl Heim als auch Auswärts viele unvergessliche Momente. Sei es der Last-Minute-Treffer bei dem das ganze Stadion steht und den Ball ins Tor schreit. Oder unglaublich schöne Choreos. Und natürlich die Auf- und Abstiege.

Ist man auswärts unterwegs, erlebt man aber auch viele einzigartige Erlebnisse der etwas anderen Art.

Alle ins Möbelhaus!

Eintracht ging nach einer herausragenden Hinrunde (+ 2 Spiele der Rückrunde) im zweiten Jahr in der 2. Bundesliga mit 44 Punkten und nur einer Niederlage in die Winterpause. Dementsprechend groß war die Vorfreude auf das erste Spiel in 2013. Es ging auswärts nach Paderborn, eine vergleichsweise kurze Auswärtsfahrt. Es lief schlussendlich auf etwa 5.000 mitgereiste Löwen-Anhänger hinaus.

Wir waren schon ziemlich früh da, trotzdem war der Parkplatz gut gefüllt. Viele Fans waren allerdings nicht zu sehen. Um uns die Zeit zu vertreiben sind wir dann ins nah gelegene Möbelhaus gegangen. Dort sollte es auch eine Kantine geben. Beim Eintreffen in der Kantine hatte sich die Frage nach dem Aufenthaltsort der anderen Fans ziemlich eindeutig geklärt. Die Kantine war proppenvoll und war fast ausschließlich mit Blau-Gelben gefüllt. Treffend dazu war die Aussage eines Paderborners der uns den Weg gezeigt hatte: „Was geht denn hier ab!?“. Wir haben uns irgendwo dazwischen gequetscht und etwas getrunken. Es wurde immer voller und jeder der nicht als Eintracht-Fan zu identifizieren war fiel auf wie ein bunter Hund. Als wir das Möbelhaus Richtung Stadion verlassen haben, kamen uns ein paar Paderborner Fans entgegen. Den entgeisterten Blicken zufolge hatten sie nicht mit etwa 300 Blau-Gelben im Möbelhaus gerechnet.

Während des Spiels waren die Zuschauer dann ziemlich zur Hälfte geteilt. Leider habe ich keine perfekten Fotos gefunden, auf denen der komplette Auswärtsblock zu sehen ist. Sollte jemand Fotos zu diesem Spiel haben, würde ich diese sehr gerne einbinden.

Das Spiel ging mit 2:1 an uns,das Geschehen auf dem Platz kam in puncto Unvergesslichkeit aber nicht an die Erlebnisse auf den Tribünen und im Möbelhaus heran.

 

Auswärts mit der Fähre

Wenn bei dem Auswärtsspiel in Regensburg das Spiel nicht das Außergewöhnlichste war, muss schon etwas ganz Besonderes passiert sein. Erst mal zum Spiel: Ein Schiedsrichter der das Spiel überhaupt nicht im Griff hatte und viele harte gelbe Karten gab. Gefühlt traf er jede knappe Entscheidung gegen uns. Nach einer recht klaren roten Karte die durch die schauspielerische Leistung noch verdeutlicht wurde schafften wir tatsächlich mit so ziemlich der ersten Chance das 1:0 kurz vor der Pause. Kurz nach der Pause kassierten wir sofort den Ausgleich. Etwa eine Viertelstunde später eine sehr sehr harte rote Karte nach einer vermeintlichen Tätlichkeit. Zum großen Ärger unsererseits war eine quasi identische Szene auf der anderen Seite gar nicht geahndet worden. Der einzige Unterschied bestand in der unterschiedlichen Schauspielerei. Beide Szenen waren sehr knapp, doch fast identische Szenen sollten dennoch in einem Spiel mit dem gleichen Maße bewertet werden. Die Mannschaft und auch die Fans waren dementsprechend frustriert. Die Stimmung wurde immer aufgeheizter, zudem wurde eine vermeintliche Notbremse der Regensburger nicht geahndet. Obwohl dies wohl eine korrekte Entscheidung war, kann wohl jeder Stadiongänger das Gefühl verstehen, jede Entscheidung wäre gegen die eigene Mannschaft. Dann kassierten wir auch noch das 1:2. Eine völlig frustrierte und aggressive Mannschaft ging dementsprechend in die Zweikämpfe. Nach der ersten Gelb-Roten Karte, verursacht durch Mirko Boland, nachdem ihm ein Regensburger zugezwinkert hat und wohl auch verbal provoziert hat, standen wir also mit sieben Feldspielern auf dem Platz. In unserem Block wurde ein passendes Lied angestimmt: „Einer geht noch, einer geht noch raus!“ Nachdem wieder mal ein Regensburger auf dem Boden kugelte, schrie der ganze Block aus vollem Halse: „ROT! ROT! ROT!“. Leider wurden unsere Wünsche erneut nicht erfüllt. Alles in allem war es ein unglaublich frustrierendes Spiel. In meinem mittlerweile über 280 besuchten Eintracht-Spielen, gehörte die Stimmung auf jeden Fall in die Top 3 der wütendsten Stimmungen.

Leider ereignete sich nach dem Spiel noch ein tragischer Zwischenfall. Ein junger Fan fiel von dem durchaus hohen Zaun und verletzte sich schwer. Aus Respekt gegenüber dem jungen Fan und seiner Familie werde ich nicht weiter darauf eingehen, sondern auf einen Beitrag auf der offiziellen Facebookseite von Eintracht verweisen: https://www.facebook.com/eintrachtbraunschweig/posts/10154776785097102

Großen Respekt an die Regensburger die sofort die Musik ausmachten!

Jetzt aber zu dem außergewöhnlichen Ereignis bei der Anreise:

Kurz vor Halle und in der Nähe von Halle waren die Straßen sehr voll und es gab viele Staus. Ich bin zu diesem Zeitpunkt gefahren und habe mit meiner Mutter zusammen entschieden von der Autobahn abzufahren. Gesagt getan: AuswärtsFähreweg zur fähre

Die Straßen waren sowohl innerorts als auch außerorts in einem Ziemlich schlechten Zustand. Wir hatten schon ein dickes Schmunzeln im Gesicht, wir hatten vor der Fahrt nicht unbedingt damit gerechnet außerorts auf Kopfsteinpflaster zu fahren. Bei dem kurz darauf folgenden Spruch vom Navi froren uns allerdings die Gesichtszüge ein: „Bitte benutzen sie die Fähre“. Kurz vor Halle… Über die Saale ging es dann mit der Saale-Fähre Brachwitz! Wir wurden Zentimeter genau in Position gewunken und schon ging es los. DIe Fähre war ziemlich klein, etwa 6-8 Autos hatten Platz. Kurz darauf ging es schon weiter über die Schlaglochpisten bis wir wieder eine Autobahn erreichten. Fähre.png

 

Für solche Momente lohnt es sich auswärts unterwegs zu sein.

Kevin

Über mich

Hallo! Ich bin Kevin und schreibe diesen Blog hier. Hier soll es hauptsächlich um meine Erlebnisse als Fußballfan gehen, gerade um die Momente als Fan von Eintracht Braunschweig.

Ich wurde am 20.03.1997 in Braunschweig geboren und wohne seit 1998 mit meinem Eltern wenige Kilometer vor Braunschweig. Zurzeit mache ich eine Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen bei der Öffentlichen Versicherung Braunschweig. Während meiner Ausbildung werde ich zum größten Teil im Vertrieb eingesetzt.

Nun komme ich zu meiner „Geburt“ als Eintracht-Fan:

Mein erstes Spiel habe ich am 14.08.2005 gesehen. Wir spielten gegen LR Ahlen (heute Rot-Weiß Ahlen). Ich habe mit meinen Eltern, einem Kumpel und seinen Eltern auf der Gegengerade gesessen. Nach einem Doppelpack von Jürgen Rische (aktueller Fitnesstrainer), einem Tor von Ahmet Kuru  und einem Gegentor endete das Spiel 3:1.

Bis zum nächsten Besuch dauerte es etwas:

Nach der WM 2006 war mein Fußballinteresse erst so richtig entflammt. Seit der Saison 2006/07 gehe ich somit regelmäßig zur Eintracht.

Um meine Beziehung zum Verein zu verstehen muss man die beiden ersten Saison als „richtiger“ Fan betrachten. In der Saison 2006/07 sind wir ziemlich sang- und klanglos abgestiegen (letzter Platz mit 13 Punkten Rückstand auf das rettende Ufer). Kenner werden bei dem Namen Dujardj Vasic aufschrecken. Sein kurzer Einsatz als Trainer mit fünf Niederlagen in ebenso vielen Spielen beschreibt unsere Saison mit fünf Trainern zwei Interimstrainern und über 30 Zu- oder Abgängen ganz gut. Der Verein war am Boden. Der Abstieg kam damals zum wohl schlechtmöglichsten Zeitpunkt. Denn aus den beiden Regionalligen (Nord/Süd) wurden die Teilnehmer für die eingleisige 3. Liga ausgespielt. Eintracht musste also mindestens 10. werden um diese neue Liga zu erreichen.

Leider lief es nicht besonders gut und man hatte nach dem 35. Spieltag (von 38) zwei Punkte Rückstand auf den letzten Qualifikationsplatz. Für die letzten drei Spiele wurde daraufhin ein ehemaliger Spieler geholt, der letzte Saison noch im Eintracht-Trikot abgestiegen war: Torsten Lieberknecht.

Vor dem letzten Spieltag hätte es dramatischer nicht sein können: Es gab nur noch zwei Mannschaften die rein rechnerisch einholbar waren. Die Kickers Emden hatten allerdings schon drei Punkte Vorsprung und spielten am letzten Spieltag beim abgeschlagenen Schlusslicht: der Zweitvertretung des VFL Wolfsburgs. Die Hoffnung auf ein Wunder in diesem Spiel war also relativ gering. Rot-Weiss Essen hingegen hatte nur einen Zähler Vorsprung. Doch auch die Essener spielten gegen einen bereits sicher abgestiegenen Verein: der VfB Lübeck. Nur um zwei Plätze besser als Wolfsburgs Amateure und auch noch mit einem Auswärtsspiel in Essen.

Die Stimmung vor unserem Spiel gegen die Zweitvertretung vom BVB war natürlich sehr angespannt. Unser Spiel ging war mehr oder weniger souverän 2:0 für uns aus (Kumbela hat damals schon für uns getroffen!) aber noch stand gar nichts fest. Zwischenergebnisse wurden nicht offiziell bekannt gegeben, Smartphones gab es noch nicht. Das Zittern der Fans in Blau-Gelb konnte man wahrscheinlich bis nach Essen spüren. Dem Vernehmen nach stand es in Essen noch 0:0! Damit wären wir gerettet! Und dann fiel ein Tor in Essen. Es war mucksmäuschenstill im Stadion, da einige Taschenradios dabei hatten oder verzweifelt versuchten irgendwie an das Ergebnis zu kommen. Dann die Hammer-Nachricht! Lübeck führt! Dieser Zwischenstand wurde auch übers Mikro durchgegeben. Mit dem Zusatz, dass das Spiel noch nicht beendet wurde. Aus vollem Halse wurden die Lübecker in Braunschweig angefeuert: „Lübeck! Lübeck! Lübeck!“ Bis irgendwann endlich die erlösende Nachricht auf der Leinwand erschien: Wir haben es geschafft! Wir sind in der eingleisigen 3. Liga. Ein, für mich damals unglaublich lauter, Schrei der Erlösung ging durchs weite Rund! Das Poltern der Steine die von den tausenden Herzen fielen, ging dann im Platzsturm unter. So etwas hatte ich bis dahin noch nie gefühlt. Vor Freude und Erlösung weinende Menschen, völlig Fremde fielen sich in die Arme! Ich wurde eingesogen in die Blau-Gelbe Familie und bin für immer ein Teil von Blau-Gelb.

Tut mir Leid an alle die jetzt eine Gänsehaut haben 🙂

Nach und nach werde ich noch weitere Erlebnisse aus der Vergangenheit veröffentlichen und hoffentlich auch zukünftig genug Erzählenswertes erleben!